An Kenias Küste
Mariner Ressourcenschutz durch partizipatives Fischereimanagement
Partner: Coast-Rural Development Organisation (CRDO), Mombasa, Kenia
Beteiligte: Fischer und ihre Familien an der Küste südlich Mombasa, Kenia
Ökologie: Entlastung und Sicherung des stark überfischten Ökosystems Lagune und Riff
Ökonomie: Einführung eines Fischereimanagements sowie alternativer Einkommensquellen
Soziales: Stärkung der Gemeinschaft durch Selbstorganisation, Schulungen, Infrastruktur
Maßnahmen:
- Instandsetzung strandnaher Gebäude, den „Fishbandas“ als Treffpunkt für die Fischer
- Verarbeitung und Vermarktung von Fisch unter hygienischen Bedingungen
- Schulungen zu Fischereimanagement, Selbstorganisation und Marketing
- Förderung der Selbstorganisation der Fischer in „Beach Management Units“
- Einrichtung von Meeresschutzgebieten (MPA)
- Einführung von Fisch-Konservierungs- und Veredelungstechniken (Trocknung, Räuchern)
- Förderung alternativer, vom Meer unabhängiger Einkommensquellen
- Verbesserung der Arbeitssicherheit auf See
Die Lebenssituation der Küstenbewohner
Bevölkerungswachstum, Verlust an sozialer und gesellschaftlicher Identität, Ressourcenmangel, Hunger und Armut sind die zentralen Probleme, die sich in vielen Ländern der Erde gerade an den Küsten konzentrieren. Dieser Entwicklungsprozess hat auch dazu geführt, dass trotz noch vorhandener Ressourcen ein effektives und nachhaltiges Management nicht mehr zum Tragen kommt, da traditionelle und in der Vergangenheit bewährte Methoden eines kulturell basierten Ressourcenmanagements nicht mehr eingesetzt werden oder nicht mehr wirksam sind.
Die steigende Zahl derer, die ihren Lebensunterhalt wegen fehlender Alternativen durch Fischfang mit einfachsten Mitteln bestreiten müssen, hat auch das Problem der Überfischung in den strandnahen Gewässern im südlichen Kenia verstärkt. Die Zusammenarbeit mit den Fischern der Region Chale-Kinondo soll die allgemeine Situation der Fischer verbessern und gleichzeitig die Folgen einer nicht nachhaltigen Fischerei in den Küstengewässern abwenden. (Mehr zur Region Chale-Kinondo - ein kurzes Portrait)
Ausgangspunkt "Landing site"
Als ein wesentliches Hindernis für eine nachhaltige Entwicklung hatte sich schon bei Projektbeginn 2002 das Fehlen sogenannter „Fishbandas“ an den verschiedenen Landingsites erwiesen: einfache Gebäude als Treffpunkt der Fischer, zur Aufbereitung und Lagerung der gefangenen Fische unter hygienischen Bedingungen. Mit den seit Juli 2003 fertiggestellten Gebäuden einschließlich sanitärer Einrichtungen sind die Vorraussetzungen geschaffen, die leicht verderbliche Ware zu sichern und qualitativ hochwertig auf den Markt zu bringen.
Die Landing Sites sind die „Werkstätten“, wo die Netze, die Fischereiausrüstung und die Boote gewartet, repariert und gelagert werden. Da alle Fischer einer Fischergemeinschaft hier gemeinsam agieren, gibt es eine gewisse Sicherheit vor Diebstählen.
Landing Sites sind Marktplätze. Die Fischer treffen sich hier mit den Käufern. Diese sind in der Regel Mittelsmänner, die den Fisch direkt von den Fischern kaufen und an Nachbargemeinden, Städte oder Hotels verkaufen, wobei sie mit ihren Fahrrädern von Haus zu Haus fahren und den Fisch anbieten.
Landing Sites sind Treffpunkte. Hier kochen die Frauen oder verkaufen die Gerichte, die sie zuhause vorbereitet haben, an die Fischer, die vom Fischfang zurückkehren. Die Landing Site ist auch der Ort, an dem die Fischer Angelegenheiten, die die Gemeinschaft betreffen, besprechen und Lösungen erarbeiten. Wenn man sich über Fanggründe streitet, werden diese Angelegenheiten in erster Linie innerhalb der Landingsites diskutiert und nur dann vor staatliche Stellen gebracht, wenn man sich nicht gütlich einigen konnte oder wenn es grenzüberschreitende Fischgründe betrifft, wie z.B. in Gewässern zwischen Kenia und Tansania.
Ein Aspekt zur Einführung eines gemeinschaftlich durchgeführten, nachhaltigen Fischereimanagements ist die Förderung der Selbstorganisation der Gemeinschaft der Fischer. Die "Beach Management Units" (BMU) sind dabei ein wichtiger Schritt, um den bislang freien und ungeregelten Zugang zur Ressource Fisch in den kenianischen Küstengewässern langfristig umweltgerecht zu gestalten. Den Landingsites fällt zukünftig vermehrt die Zuständigkeit für die Nutzung und Erhaltung der jeweiligen Küstenabschnitte zu. Hierzu gehört auch die Einführung und Aufrechterhaltung von geeigneten Maßnahmen des Fischereimanagements, etwa durch Meeresschutzgebiete.
Bewahrung der verderbliche Fänge
Frischfisch ist eine leicht verderbliche Ware. Während der fischreichen Saison müssen die Fischer ihren Fang daher oftmals zu besonders niedrigen Preisen abgeben oder in Kauf nehmen, dass ein erheblicher Teil davon verdirbt. Durch Kühlung und Konservierung - etwa durch Räuchern und Trocknen - kann die Abhängigkeit der Fischer vom Zwischenhändler gemildert werden. Vor allem aber werden die Fischbestände geschont, weil die Fischer durch Lagerhaltung die Häufigkeit ihrer Fangfahrten reduzieren und den Fänge effizienter Nutzen können. Auch lassen sich die Zeiten der Fischknappheit besser überbrücken.
An den neu geschaffenen oder instand gesetzten Landingsites ließen sich Einrichtungen zum Kühlen, die allen Fischern der Gemeinschaft zugänglich sind, realisieren. Darüber hinaus werden in einem begleitenden Vorhaben mit einem kenianischen Forschungsinstitut effektive Methoden zum Räuchern und Trocknen von Fisch erprobt und eingeführt. Dieses Teilprojekt richtet sich insbesondere an die Frauen an den Landingsites, die traditionell in der Vermarktung der Fänge eine wichtige Rolle spielen und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten vor allem im Hinterland schaffen. (Mehr zu "Verbesserte Techniken zur Konservierung von Fisch")
Verbesserung der sanitären Situation
Gerade im Zusammenhang mit der Verarbeitung leicht verderblicher Ware wie Fisch ist die Einhaltung grundlegender hygienischer Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Neben der Kühlung ist unter den tropischen Klimabedingungen an Kenias Küste die Vermeidung von Verunreinigungen eine Voraussetzung für die Vermarktung auch geringer Fischmengen. Da die zahlreichen Hotels und Ferienclubs in unmittelbarer Nachbarschaft ein potentieller, bisher kaum erschlossener Kundenkreis der Fischer sind, ist der Nachweis geregelter hygienischer Verhältnisse ein wichtiges Element für die Vermarktung.
Die Errichtung sanitärer Anlagen als Teil der neuen Fishbandas erhöht nicht nur die Lebensqualität der Fischerfamilien. Abwasser stellen eine diffuse Quelle von Schadstoffen dar, die die hygienischen Verhältnisse im Bereich der Landingsite und der strandnahen Gewässer stark beeinträchtigen und die ökologische Situation in den ohnehin belasteten Riffen und Lagunen verschlechtern. Da die Behandlung und sachgerechte Entsorgung der Abwässer bislang nicht organisiert ist, wurden die dezentrale Erfassung in Betonbecken realisiert und eine biologische Klärung geplant.
Alternative Einkommensquellen
Der starke Nutzungsdruck auf die Fischbestände der Lagune und des Riffs wird sich dauerhaft nur dann reduzieren lassen, wenn die Menschen an der Küste auch andere Einkommensquellen unabhängig von der Fischerei erschließen können. Seit 2007 werden daher durch CRDO verstärkt kaufmännische Schulungen für zukünftig Gewerbetreibende durchgeführt. Mikrokredite unterstützen kleine Gruppen von Kreditnehmern beim Aufbau z.B. von Imkerei in den Mangroven, der Herstellung von Matten zur Dach-Eindeckung oder Erzeugung getrockneter Früchte.
Verlagerung der Fischerei

- Die Einbäume werden zum gemeinsamen Fischen mit dem Netz eingesetzt.
Im besonderen Maße überfischt sind die strandnahen Gewässer, das küstenparallele Riff und die von diesem gebildete Lagune, die leicht erreichbar und auch mit dem Einbaum noch sicher zu befahren ist. Wer kein Kanu besitzt geht mit dem Speer auf Beutezug. Um außerhalb des Riffs fischen zu gehen und dort Garnelen, Thunfisch oder Hai zu fangen, werden jedoch seetüchtigere Boote benötigt.
Die Verlagerung des Fischfangs zu küstenfernen Fanggründen wird von den Fischern an den Landingsites immer wieder als Ausweg aus der angespannten ökologischen Situation genannt. Im Gegenzug könnte ein Schutzgebietskonzept für Riff und Lagune entwickelt und durch die jeweiligen BMUs umgesetzt werden. Allerdings gilt dies nur eingeschränkt, denn die Gewässer vor der kenianischen Südküste sind alles andere als unberührt. Experten stellen derzeit einen deutlichen Rückgang der Fangmengen an der 600 Kilometer langen Küste zwischen Somalia im Norden und Tansania im Süden fest. Die illegale Fischerei durch europäische und fernöstliche Trawler innerhalb der 200 Seemeilen exklusiver Wirtschaftszone (EEZ) wird als eine der wichtigsten Ursachen dafür gesehen. Eine wirksame Kontrolle der Gewässer durch Küstenwache oder Marine findet mangels entsprechender Fahrzeuge nicht statt.
Ungenutzte Fischbestände gibt es im Indischen Ozean auch vor der Küste Kenias nicht. Wenn die Lagunen-Fischer, ausgestattet mit seegängigen Booten und der erforderlichen Erfahrung, zu Seefischern werden, erhöhen sie auch dort den Nutzungsdruck und konkurrieren mit anderen um die bereits dezimierten Fischbestände in der kenianischen EEZ. Langfristig sind die Küstenfischer daher abhängig von der weiteren Entwicklung des nationalen Fischereirechts und dessen Einhaltung durch internationale Fangflotten.
Hintergrund:
Die Region Chale-Kinondo - ein Portrait
Angewandte Begleitforschung
Trocknen und Räuchern: Verbesserte Techniken zur Konservierung von Fisch
Berichte:
Kenia-Fischer 2009: Jahresbericht
Kenia-Fischer 2008: Jahresbericht
Planungsunterlagen
Bauplan einer Banda in Kenia (2004)
Bauplan für eine sanitäre Anlage (2004)
In den Straßen von Stone Town, auf Pemba Island und auf dem Festland Tansanias sind die Spielstätten des Festivals. Mit dabei die "Custodians of the sea".
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