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Russland: Ressourcen-Management Schritt für Schritt


Partner: WWF-Russland, The Basin Council, Chupa, Karelien, Russland

Beteiligte: Einwohner der Küstenregion von Chupa am Weißen Meer

Ökologie: Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen des Meeres und der Küste

Ökonomie: Entwicklung und Anbahnung von Arbeitsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen

Soziales: Stärkung der Gemeinschaft durch Selbstorganisation, Förderung der Eigeninitiative

Maßnahmen:

  • Einrichtung und Betrieb eines Initiativenzentrums als regionaler Treffpunkt
  • Förderung der Kommunikation zwischen verschiedenen Interessengruppen
  • Entwicklung von Projektideen für die Entwicklung der Region
  • Förderung kommunaler Aufgaben (Abfallsammlung und –Behandlung)
  • Abstimmung eines Fischereimanagements
  • Entwicklung eines Konzeptes für nachhaltigen Tourismus
  • Öffentlichkeitsarbeit als Werbung für die Region
  • Förderung der Einrichtung eines Naturparks an der Küste Nord-Kareliens
  • Entwicklung von Einkommensquellen durch die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen
  • Politische Lobbyarbeit

Nachhaltige Entwicklung unter Beteiligung der Bevölkerung an der Küste Kareliens

Chupa liegt an der Küste des westlichen Weißen Meeres und gehört ökologisch zum Naturraum der Barentssee. Die Region ist nur dünn besiedelt, vorherrschende Landschaftselemente sind Seen, Sümpfe und Wälder. Küstenfischerei und andere meeresbezogene Aktivitäten stellen die hauptsächlichen Erwerbszweige dar. Ebenso wie andere Küstenregionen entlang der russischen Weißmeerküste hat auch die Region Chupa mit einer Reihe von Umwelt- und Entwicklungsproblemen zu kämpfen. Die zentralistische Planung in Russland hat historisch gesehen zu einer Entfremdung der lokalen Gemeinschaften von eigenverantwortlichem Management der regionalen (Küsten-) Ressourcen geführt.

 

 

Nach wie vor sind die größten Probleme sowohl in der Region als auch bei der Projektumsetzung die schwierige ökonomische Situation in Nord-Karelien – der Verlust von Arbeitsplätzen und die Abwanderung junger und qualifizierter Menschen und ihrer Angehörigen. Damit sinkt z.B. die Schülerzahl in den Schulen beständig (von 530 auf 380 innerhalb eines Jahres) und die Projektmitarbeiter fürchten den weiteren Abzug von Lehrkräften.

 

Die Projektpartner der LF vor Ort - der WWF-Russland und das Biodiversity Conservation Center (BCC) - haben bereits verschiedene Vorhaben entlang der russischen Küste insbesondere zur Planung vielfältiger Nutzungen in der Umgebung von Meeres- und Küsten-Schutzgebieten initiiert. In diesem Zusammenhang leistet das Projekt neben der Anregung einer selbstverantwortlichen Regionalentwicklung auch einen Beitrag zur Umsetzung der Schutzstrategie Ökoregion Barentssee, die Teil des Engagements des WWF in Russland ist.

 

 

Strategische Ziele für den Großraum Barentssee ebenso wie für die Region Chupa sind dabei der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosystemprozesse und -funktionen, um die vielfältigen Lebensgemeinschaften zu erhalten, die Förderung der Zivilgesellschaft und der Möglichkeiten von alternativer, nachhaltiger Wirtschaftsweise durch z.B. umweltgerechten Tourismus, kleine Küstenfischerei nachhaltige Forstwirtschaft. Gleichzeitig sollen Erfahrungen mit der Einrichtung von Meeresschutzgebieten in Russland gesammelt sowie Modelle zur Einführung partizipativer Ansätze im Küstenzonenmanagement entwickelt werden.

 

 

Projekt-Fortschritte und Ergebnisse

Chupa ist das Zentrum der nur dünn besiedelten Region.
Plattenbauten prägen neben traditioneller Architektur das Stadtbild.
Bootsschuppen in Chupa. Küstenfischerei stellt einen wichtigen Erwerbszweig dar.
Viele Menschen versorgen sich mit Nahrungsmittel aus kleiner Landwirtschaft selbst.

Dauerthema Müll

Schon seit längerem hat in der Region Chupa das Thema „Müll“ einen besonderen Stellenwert. Im Zusammenhang mit einer Initiative zum Reinigen der Meeresküste hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Strandreinigung erst dann durchführbar ist, wenn die Kommune Chupa das Problem der Abfallbehandlung insgesamt gelöst hat. Der Projektpartner Chupa Basin Council übernahm die Leitung bei der Beschaffung der finanziellen Mittel für ein Müllfahrzeug, organisiert dessen Betrieb und regte Veränderungen in Bereich des kommunalen Services an. Damit wurde auch der Bezirksleitung demonstriert, dass der Rat ein zuverlässiger Partner zur Lösung praktischer Aufgaben ist. Der möglicherweise wichtigste Schritt ist die Ausweisung eines geeigneten Müllplatzes durch den städtischen Kommunalservice und das Angebot an das Basin Council zur gemeinsamen Planung des weiteren Vorgehens.

 

Küstenfischerei

Erstmals seit seiner Gründung wurde das Chupa Basin Council auch aktiv in Belange der Küstenfischerei einbezogen. Im März 2006 wurde ein Seminar für die lokalen Fischer organisiert, in welchem das neue Bundesgesetz für Fischerei und Erhaltung der aquatisch-biologischen Ressourcen sowie Grundprobleme der Fischerei erläutert wurden. Als Ergebnis der Diskussion wurde ein offizielles Schreiben an die Fischereibehörde in Petrozavodsk verfasst, das sich auf das Management der Lachsbestände, die Regelung der Fischereizonen und Vergabe von Lizenzen bezog.

 

Im Dezember 2006 organisierte das Basin-Council eine Folgesitzung zum „Fischereimanagement im weißen Meer und in den Seen des Louhi Bezirkes von Karelia“, die schließlich auch durch Vertreter des Ministeriums für Fischerei der Republik von Karelia, Karelrybvod, die Abteilung des Bundesamtes für Fischerei sowie und der Kontrollstelle für Fisch und Wild in Rosselkhoznadzor besucht wurde. Die Behördenvertreter mussten sich einige unbehagliche Fragen der Fischer gefallen lassen. Diese wiederum mussten auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, die tatsächlich gefangenen Fischmengen anzugeben und nicht zu geringe Daten zu übermitteln.

 

„Die Küstenfischerei wurde im Laufe der Jahrhunderte ihres Bestehens ein Teil des Ökosystems Weißes Meer. Sie stützt die lokale Bevölkerung, ihre Traditionen sind von großem kulturellen Wert“, sagt Vassily Spiridonov, Koordinator für das Meer- und Küstenprojekte des WWF Russland. Administrative Reformen der Fischerei, die die Eigenheiten regionaler Ökosysteme, die regionale Geschichte der Fischerei und die Mentalität der Fischer nicht berücksichtigen, können diese Traditionen gelegentlich zerstören.

 

Leider scheint dieser Vorgang tatsächlich stattzufinden. Die Zahl amtlich registrierter kommerzieller Kleinfischer hat sich halbiert. Die Fischer, die ihr Geschäft legal ausüben und fristgerecht alle amtliche Berichte einreichen, sind in einer schwierigen ökonomischen Situation, während Wilderei sich lohnt.

 

 

Chupa liegt am westlichen Weißen Meer und gehört ökologisch zum Naturraum der Barentssee.
Das eigenwillige Gebäude des Hotel "Nereis"
Vassily Spiridonov (rechts) ist einer der Initiatoren des Projektes.

Einrichtung eines Naturparks

Zu Beginn der Projektes 2003 erschien die Einrichtung eines Naturparks noch als eine der Prioritäten, gleichzeitig aber war klar, dass ein besseres Verständnis für die Naturparkidee bei der lokalen Bevölkerung erforderlich ist. Das Verfahren der Beteiligung der Gemeinden bei Planung und der Entwicklung eines Naturparks wurde durch das Basin Council erläutert und ein Aktionsplan für erste Arbeitsschritte zwischen dem Basin-Council und den Gemeinden vereinbart.

 

Charakteristisch scheint es, dass derzeit die meisten Bewohner der Region die Idee des Naturparks unterstützen und die Bezirksleitung darin eine mögliche Entwicklungschance in einer schwierigen ökonomischen Situation sieht. Die Projektberaterin Yulia Greenfeldt wird mit einem Stipendium der ALCOA Foundation, das erstmals nach Russland vergeben wurde, einen Organisationsplan für den Naturpark vorbereiten.

 

Information der Bevölkerung

Eine Broschüre zum Thema Naturpark, seiner Zonierung und Management wurde vorbereitet, ist druckbereit und soll im Februar 2007 erscheinen. Außerdem wurde ein allgemeinverständliches Buch von Prof. V.V. Khlebovich, Direktor der biologischen Station Kap Kartesh von 1966 – 1982, unter dem Titel „Kartesh und Umgebung“ im Rahmen der wissenschaftlichen Informationsschriften und -bücher veröffentlicht. Es dokumentiert die lokale Natur, Umweltprobleme, Geschichte, Traditionen und bemerkenswerte Persönlichkeiten. Diese Publikation wird für Entwicklung des kommunalen Selbstbewusstseins sehr wichtig zu sein.

 

Das bereits frühzeitig eingerichtete Informationscenter hat seine Arbeit mit täglichen Öffnungszeiten fortgesetzt und zählte etwa 150-200 Besucher monatlich. Außerdem wurde eine ökologische Schulung an der biologischen Station der Universität St. Petersburg für 15 Teilnehmer organisiert. Die biologische Station der Universität Moskau richtete eine Ecoschule für Kinder aus dem Louhi Internat ein. Das Basin-Council selbst stellte Mittel für die Organisation der Sommer-Ecoschule

 

 

Stand und Perspektive

Das Chupa Basin Council wertet die inzwischen einsetzende rege Tätigkeit auf verschiedenen Ebenen als indirektes Resultat der eigenen Projektarbeit: die regelmäßigen Diskussionen über soziale, ökonomische und Umweltprobleme mit der lokalen Bevölkerung an Kareliens Nordküste haben dazu geführt, eigene Lösungswege für zukünftige Entwicklungen zu sehen. Dieses steht im starken Kontrast zu dem offensichtlich mangelnden Geschick der karelischen Regierung, die deprimierenden Probleme in der Republik Karelia anzugehen.

 

Die derzeitige Diskussion und das Eingeständnis politischer Fehler richtet allerdings die allgemeine Aufmerksamkeit der regionalen Behörden auf die Küste und wird helfen, die Implementierung einiger Projekte, z.B. den Naturpark, den Agritourismus oder die Aquakultur zu erleichtern.

 

 

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Bilder-Galerie:

Eine umfangreiche Bildersammlung im Internet

 

Zum Hintergrund:

Chupa - Karelien - Russland: Die ersten Schritte

 

Berichte:

Chupa 2007: Projektziele und was aus ihnen wurde

Chupa 2008: Jahresbericht

Chupa 2009: Jahresbericht

 

LF-Explorer:

Fels in der Brandung

Schelfmeere

 

LF-Maproom:

Die Barentssee

 

WWW:

Basin Council Chupa

WWF – Russia

Biodiversity Conservation Center (BCC)

EUCC – The Coastal Union

 

 

 

Das Weiße Meer - eine kurze Einführung in die Ökologie eines kleinen Meeres