Panama: Nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen in Kuna Yala
Bildung - Verwaltung- Forschung
Partner: Balu Uala, Centro de Investigación, Educación y Maneyo en Recursos Naturales
Beteiligte: Einwohner der autonomen Region Kuna Yala, Panama
Ökologie: Entlastung und Sicherung des überfischten Ökosystems Korallenriff
Ökonomie: Einführung eines Fischereimanagements sowie alternativer Einkommensquellen
Soziales: Stärkung der Gemeinschaft durch Schulungen
Maßnahmen:
- Fortführung des Umweltbildungsprogramms
- Betreuung und Förderung der Meeresschutzgebiete
- Einrichtung neuer Meeresschutzgebiete
- Schulungen zum Fischereimanagement
- Training von Projektmitarbeitern in Meeresökologie und Meeresschutz
- Unterstützung des General Kuna Congress bei der Einführung nachhaltiger Fischerei
- Unterstützung der Gemeinden bei der Einführung umweltverträglicher Abfallbehandlung
- Förderung der Zusammenarbeit mit den traditionellen Authoritäten
- Erschließung traditionellen Wissens
- Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
Siedlungsraum mit langer Tradition
Kuna Yala („Land der Kuna“) ist eine teilautonome, indigene Region im Norden Panamas und ein ganz besonderer Ort. Neben wunderschönen Stränden, Inseln und Wäldern zeichnet sich Kuna Yala durch seine Einwohner und ihre vielfältige Kultur aus. Dank einer Kombination aus Entschlossenheit, Mut, Zusammenhalt, Intelligenz und etwas Glück gelang es den Kuna, sich mit der so genannten Kuna-Revolution von 1925 von der Unterdrückung durch das damalige Regime Panamas zu befreien, das sich zum Ziel gesetzt hatte, diese Menschen zu „zivilisieren“, indem man ihnen ihre Kultur und Freiheit raubte. Nach der Revolution sicherte man den Kuna den gemeinsamen Besitz des von ihnen bewohnten Landes zu (Comarca Kuna Yala) sowie das Recht auf Selbstbestimmung, das auch das exklusive Recht zur Nutzung und Verwaltung der natürlichen Ressourcen Kuna Yalas einschließt.
Ein großer Teil Kuna Yalas besteht aus alten Wäldern. An der Küste findet man Mangroven und Kokosnussplantagen, Inseln und ein für die Karibik typisches marines Ökosystem mit Seegraswiesen und Korallenriffen. Kuna Yala und die verbleibenden indigenen Territorien Panamas („Comarcas“) machen heute einen großen Teil des noch bestehenden Urwaldes des Landes aus.
Bevor die Kuna vor mehreren hundert Jahren auf die Inseln übersiedelten, lebten sie an den Ufern der Flüsse auf dem Festland. Noch immer fühlen sie sich dem Festland sehr verbunden: In der Regel fahren die Männer in einem Einbaum hinüber und laufen anschließend bis zu 2 Stunden zu ihren Feldern, wo sie Kokosnüsse, Mais, verschiedene Bananenarten, Reis, Maniok, Kürbisse, Avocados, Kakao und Kaffee anbauen. Darüber hinaus nutzen sie das Festland auch für die Jagd und das Sammeln von Krabben und Feuerholz. Die wichtigsten proteinreichen Nahrungsmittel der Kuna sind jedoch traditionellerweise Fische und Meeresfrüchte. Die Frauen halten sich heute beinahe ausschließlich auf den Inseln auf, wo sie das Essen zubereiten, sich um die Kinder kümmern, Molas für den Eigenbedarf oder den Verkauf nähen und zahlreiche Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft übernehmen.
Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Kuna immer wieder Kontakt zu Besuchern, Eindringlingen, Missionaren, Forschern, Zivilisatoren, Lehrern und Händlern aus verschiedenen Teilen der Welt sowie natürlich zu Regierungsbeamten aus Panama und Kolumbien. Häufig arbeiten die Männer außerhalb Kuna Yalas. Dieser Trend begann mit dem Panamakanal, als dieser sich im Besitz der USA befand. Mittlerweile ist die jahrhundertealte indigene Kultur der Kuna überlagert von den verschiedenen äußeren Einflüssen.
Die meisten Familien benötigen heute neben ihren Erträgen aus Ernte, Fischerei und Jagd ein zusätzliches Einkommen in Form von Geld, um neuen Bedürfnissen gerecht zu werden: Schulmaterial, westliche Medizin, höhere Bildung in Panama usw. Aus diesem Grund haben die Menschen begonnen, das Meer verstärkt als Quelle schnellen Geldes zu betrachten. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gilt der Langustenfang als schnellste Methode, an Geld zu gelangen. Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Taucher auf Jagd nach einer Ressource gehen, die mittlerweile ausschließlich für den Verkauf bestimmt ist und immer seltener wird.
Die sich ändernden Bedürfnisse, die Versorgung mit neuen Gütern, die per Flugzeug oder Schiff aus Panama und Kolumbien importiert werden, die Bildung einer neuen sozialen Gruppe (den bezahlten professionellen Arbeitern) sowie der Einfluss der „städtischen Kunas“ haben zu einer ganzen Reihe von Veränderungen im Lebensstil der Kuna geführt, die, in Kombination mit dem stetigen Bevölkerungswachstum, zahlreiche Umweltprobleme verursachen. Diese Probleme sind in Bezug auf das marine Ökosystem besonders schwerwiegend. Die wichtigsten aktuellen Probleme sind die Überfischung, die Verschmutzung durch Abfälle und Abwasser sowie der Abbau der Korallenriffe zur Aufschüttung von Deponien und zur Errichtung neuer Gebäude. Hinzu kommt die Verbreitung von Korallenkrankheiten, Korallenbleichen und Seeigelsterben in der gesamten Region. All dies führt zu einer ernsthaften Zerstörung der Korallenriffe Kuna Yalas und gefährdet die langfristige Nachhaltigkeit ihrer vielfältigen ökologischen Funktionen (Küstenschutz, Lebensraum für zahlreiche Fischarten, Anziehungspunkt für Touristen usw.).
Leider gibt es innerhalb der Kuna-Gemeinschaft kaum Verständnis für die Lebensform der Korallen und die ökologische Bedeutung der Korallenriffe. Darüber hinaus geraten traditionelle Werte und Wissen, die einst zur Erhaltung dieses Lebensraumes beitrugen, immer mehr in Vergessenheit, und Gewohnheiten, die bei einer kleinen menschlichen Population kaum Auswirkungen zeigten, richten bei der heutigen Einwohnerzahl von mehreren Tausend Menschen großen Schaden an.
FUNDACIÓN BALU UALA UND UNSER PROJEKT
BALU UALA ist eine gemeinnützige Kuna-Organisation, die den Gemeinden dabei hilft, ihre Ressourcen nachhaltig zu verwalten. Die Organisation wurde 2002 gegründet und ist seit 2004 mit Unterstützung der Lighthouse Foundation in Kuna Yala tätig. BALU UALA hat ihre Arbeit von ursprünglich einer Gemeinde zunächst auf sechs und kürzlich sogar auf zwölf Gemeinden ausgeweitet. Unser Ansatz besteht darin, die Menschen zu informieren, so dass sie die Probleme verstehen und gezielt darauf hinarbeiten können, das Ressourcen-Management zu verbessern und die Gemeinden bei einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen, insbesondere des marinen Ökosystems, zu unterstützen.
Wir haben mit unserer Arbeit im Mai 2004 in der Gemeinde Ukupseni auf rein freiwilliger Basis begonnen. Zu diesem Zeitpunkt bestand ein wichtiges Ziel des Projekts darin, die soziale, wirtschaftliche, politische und umweltbezogene Situation dieser Gemeinde so gut wie möglich kennen zu lernen, um so einen Überblick über die Lage in Kuna Yala im Allgemeinen zu erhalten. Weiterhin wollten wir die Aufmerksamkeit der Menschen auf die zunehmende Zerstörung der Korallenriffe lenken und haben zu diesem Zweck Seminare für die verschiedenen Mitglieder der Gemeinde abgehalten. Im Rahmen der Seminare wurde uns klar, dass die Menschen nur sehr wenig über diese Dinge wussten. Wir erkannten: Um die Gesundheit der Korallenriffe zu verbessern, ihre langfristige nachhaltige Nutzung zu sichern und das Bewusstsein der Menschen für die Wichtigkeit dieser Inhalte zu schärfen, würden wir ein umfassendes öffentliches Schulungsprogramm zum Thema Umwelt benötigen.
Während der fast drei Jahre seit Beginn unseres Projekts haben wir nun diese Schulungen abgehalten: Für jede Gemeinde gibt es ein oder zwei lokale Repräsentanten, die zu Beginn des Projekts in wissenschaftlichen Grundlagen, Meeresbiologie und -ökologie, Naturschutz, Korallenbiologie und Umwelterziehung geschult wurden und deren Aufgabe es ist, das Bewusstsein und das Wissen um diese Inhalte innerhalb ihrer Gemeinden zu verbessern. Durch die harte Arbeit der Repräsentanten und monatliche Besuche der Projektkoordinatoren in jeder Gemeinde ist es uns gelungen, langsam aber stetig einen kontinuierlichen Fluss an Informationen zu einer Vielzahl an Themen rund um das Ökosystem Korallenriff einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Organisation BALU UALA ist heute in den meisten Gemeinden Kuna Yalas für ihre Umweltarbeit bekannt, und viele Gemeinden sind an einer Teilnahme am Programm interessiert. Wir arbeiten derzeit in den Gemeinden Wichubwala, Gardi Sugdup, Urgandi, Guebdi, Yandup, Akwanusadup, Digir, Niadup, Ukupseni, Dad Nakwe Dupbir und Ogobsucun sowie auf Gaigirgordup, der Insel, auf der sich der Congreso General Kuna (CGK) befindet, die höchste staatliche Instanz der Comarca.
Unser Projekt besteht aus zwei Hauptprogrammen: I) Fischerei-Management, in 12 Gemeinden und II) Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPAs), in 6 Gemeinden als Mittel für das Korallenriff-Management. Diese Programme haben konkret Folgendes zum Ziel:
- Die Nachhaltigkeit des Fischfangs kommerziell genutzter Arten (Langusten, Königskrabbe, Oktopus, Fechterschnecke) durch Umsetzung der Management-Regulierungen des CGK sicherstellen
- Den Menschen die Notwendigkeit einer Regulierung des kommerziellen Fischfangs durch Verdeutlichung der Gefahren der Überfischung näher bringen
- Den Langustentauchern dabei helfen, ihre administrativen Fähigkeiten als Kleinunternehmer zu verbessern und ihre Gesundheit durch sichere Tauchpraktiken zu schützen; die Gründung von Fischereigenossenschaften unterstützen
- Die Korallenriffe für künftige Generationen wiederherstellen und schützen
Bisher haben wir folgende Ziele erreicht:
- Den 12 Gemeinden bei der Registrierung der Fischereien und Inspektion derselben helfen sowie für Bildung sorgen. Für jede Gemeinde gibt es einen Fischereiinspektor, der die täglichen Fangzahlen dokumentiert, die Fänge inspiziert und illegale Fänge wie kleine oder eiertragende Langusten konfisziert. Er klärt die lokalen Gemeinden über die Bedeutung des nachhaltigen Fischfangs auf.
- Hilfe für die 6 Gemeinden bei der Errichtung von Meeresschutzgebieten als effektives Mittel für das Korallenriff-Management.
PLÄNE FÜR DIE ZUKUNFT
Da sich Gewohnheiten und Einstellungen von Menschen nur sehr langsam ändern und es seine Zeit braucht, bis ihnen bestimmte Dinge (in diesem Fall der Umweltschutz) wichtig werden, möchten wir unsere bisherige Arbeit fortsetzen, um sicherzustellen, dass positive Ergebnisse auch von Dauer sind. Es hat in Kuna Yala bereits zahlreiche Projekte gegeben, doch beinahe alle sind letzten Endes an mangelnder Finanzierung gescheitert. Damit dies im aktuellen Fall nicht wieder geschieht, setzen wir alles daran, dass die Gemeinden das Projekt als ihr eigenes betrachten.
Wir möchten auch in Zukunft weiter an den Problemen des Fischfangs und des schlechten Gesundheitszustands der Korallenriffe arbeiten und uns auch mit der Verschmutzung in Kuna Yala befassen, auf die die Menschen in den letzten Jahren verstärkt aufmerksam geworden sind und die sich zu einem echten Problem für Gesundheit und Umwelt entwickelt hat.
CENTRO DE INVESTIGACIÓN, EDUCACIÓN
Y MANEJO EN RECURSOS NATURALES
Apartado 0843-01784 Panamá
Teléfonos: 232-7461; Celular: 6510-9177
Email: baluuala(at)cwpanama.net
Hintergrund:
Kuna Yala - Die erste Projektphase
Berichte:
LF-Explorer:
LF-Projekt:
Chile: Robinson Crusoe Island Seafood
Ecuador: Modell einer nachhaltigen Klein-Fischerei





















