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Indien: MANGREEN - Mangrove Restauration & Ecology in Tamil Nadu

Partner: Organization for Marine Conservation Awareness and Research (OMCAR), Indien

Beteiligte: Die Menschen an der Küste der Palk Bay im Bundesstaat Tamil Nadu

Ökologie: Wiederherstellung des Mangrovengürtels und dessen langfristig umweltgerechte Nutzung

Ökonomie: Förderung verschiedener alternativer Einkommensquellen

Soziales: Stärkung der Gemeinschaft durch Selbstorganisation, Schulungen, Infrastruktur

Maßnahmen:

  • Einrichtung des MANGREEN-Büros vor Ort
  • Literatursammlung und zusätzliche Expertise zur Methodik künstlicher Mangroven-Aufforstung
  • Abstimmung der Maßnahmen mit dem Tamil Nadu Department of Forestry sowie mit den Vertretern der lokalen Bevölkerung und weiteren Organisationen
  • Durchführung von Bildungsprogrammen in den Dörfern der Region sowie in den Schulen
  • Einrichtung begleitender Arbeitsgruppen und Durchführung von Workshops mit verschiedenen regionalen und lokalen Organisationen
    Auswahl der Plantagen- und der Aufforstungsbereiche und deren Kontrolle
  • Sammlung der Stecklinge in natürlichen Mangrovenwäldern, Einrichtung kleiner Baumschulen sowie Verpflanzung der Jungpflanzen
  • Dokumentation der laufenden Arbeiten und der Entwicklung der Aufforstung



Küstenwälder sind Lebensraum und natürlicher Schutz

Als im Dezember 2004 der Tsunami die Küsten Südostasiens überrollte, riss er alles mit, was ihm im Weg stand. Mehr als 200.000 Menschen starben durch die Flutwelle. Glück im Unglück hatten diejenigen, die sich an einer bewaldeten Küste aufhielten, denn vor allem die Mangroven bremsten die Wucht des anrollenden Wassers. Mangroven, das sind bis zu 30 Meter hohe Bäume und Sträucher aus verschiedenen Pflanzenfamilien mit etwa 70 Arten, die sich in besonderer Weise an die Lebensbedingungen der salzigen Küsten und brackigen Flussmündungen angepasst haben.

 

 

Doch schätzungsweise 50 Prozent der ursprünglich vorhandenen Mangrovenwälder sind in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zerstört worden. Die Ursachen liegen zu einem großen Teil darin, dass die ökologische und ökonomische Bedeutung dieser Gebiete unterschätzt wird. Traditionell wird das Holz der Mangroven zur Gewinnung von Brennholz, Baumaterial oder Gerbstoffen genutzt. Aber die Entnahme von vergleichsweise geringen Holzmengen durch die Küstenbevölkerung hat die Mangroven in ihrem Bestand nicht gefährdet. Erst die großflächige Zerstörung durch die Umwandlung in Bauland, Reis- und Kokospalmenplantagen oder die Anlage von Zuchtfarmen für Garnelen hat die Situation dramatisch verschärft.

 

Mit dem Wald fällt jedoch der natürliche Schutzgürtel gegen Stürme, Flutwellen, Überschwemmungen und die Erosion der Küste. Zudem ist eine große Zahl wirtschaftlich wichtiger Fischarten auf die Mangroven als Laich- und Rückzugsgebiet angewiesen und nicht nur diesen Fischpopulationen wird mit der Vernichtung der Mangroven die Lebensgrundlage entzogen, sondern auch der Küstenbevölkerung – die Netze bleiben leer.

 

In vielen Regionen wird vor dem Hintergrund spürbarer Beeinträchtigungen an der Wiederaufforstung (Rehabilitation) der Mangrovenwälder mit unterschiedlicher Intensität gearbeitet. Einen naturnahen Zustand wieder herzustellen, ist jedoch zeitaufwändig, denn erst das kräftige und vielver-zweigte Wurzelgeflecht kann die volle Filter- und Schutzfunktion tatsächlich wieder ausüben. Zudem sollten Monokulturen vermieden werden, um einem starken Schädlingsbefall vorzubeugen, die Biodiversität zu erhalten und zukünftig wieder eine vielfältige menschliche Nutzung zu ermöglichen. Rehabilitationsvorhaben müssen dementsprechend gut geplant werden, damit ein nachhaltiger Erfolg gewährleistet wird.

 

Über die Anstrengungen zur Wiederaufforstung der Mangroven hinaus ist es von besonderer Bedeutung, dass ein zukünftiger Raubbau unterbunden wird und statt dessen eine nachhaltige Nutzung durch ein langfristig umweltgerechtes Management erfolgt. Dabei sind häufig soziale und ökonomische Faktoren entscheidend für den dauerhaften Erfolg eines Rehabilitierungsprojektes. So ist es unumgänglich, neben politischen Entscheidungsträgern und Regionalplanern auch die ortsansässige Bevölkerung schon im Ansatz in diesen Prozess einzubinden und z.B. mit speziellen Bildungs- und Informationsangeboten den Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung zu begleiten.

 

In vielen Gebieten kann auf die Nutzung der produktiven und sensiblen Wälder nicht verzichtet werden, weil die mangrovenbestandenen Lagunen und Flachwassergebiete die Grundlage für viele Dörfer in tropischen Küstengebieten darstellen. Der Wiederherstellung dieses Lebensraumes und seiner nachhaltigen Nutzung durch integriertes Management fällt daher zukünftig eine besondere Bedeutung zu.

 

Die Region

Wo die Mangroven verschwinden, haben es auch die Fischer schwerer ihre Netze zu füllen.
Etwa 20 Hektar sind für eine Baumschule und die Mangrovenanpflanzung nahe dem Fischerdorf Keezhathottam ausgewiesen.

Durch Abholzung sind die ursprünglichen Mangrovenwälder an den indischen Küsten fast völlig verschwunden. So auch an der Küste von Tamil Nadu – dem "Land der Tempel" - in Südindien, die zudem stark durch das Seebeben von Sumatra betroffen ist. Mangroven bieten einen natürlichen Schutz vor der Wucht der Flutwellen und Küsten mit intakten Mangroven-Wäldern waren weit weniger von Zerstörungen durch den Tsunami betroffen.

 

In Keezhathottam am Agni Fluss sollen unter der Leitung des Diplombiologen Vedharajan Balaji umfangreiche Gebiete wieder mit heimischen Mangroven-Arten aufgeforstet werden. Heute sind nur noch etwa 700 ha von ehemals 6000 ha Mangrovenwäldern im Süden vorhanden. Ein erstes Gebiet für eine Mangroven-Baumschule ist an der Palk Bucht mittlerweile ausgewiesen. Derzeit wird ein Informationszentrum eingerichtet und eine Abendschule informiert über die Ziele und Chancen des Projektes.

 

Die Resonanz der Bevölkerung ist seit Beginn insgesamt sehr positiv. Denn wie überall dort, wo Mangroven dem Städtebau, der Landwirtschaft oder Shrimp-Zuchtanlagen weichen mussten, verschwanden mit den Mangroven auch in Tamil Nadu die Speisefischbestände, von denen die Küstenbewohner leben, oder gingen stark zurück.

 

Mit der Wiederaufforstung der Mangroven und der Wiederherstellung eines funktionsfähigen Ökosystems verbindet sich die Hoffnung der lokalen Bevölkerung auf einen dauerhaften Küstenschutz und die Sicherung einer ihrer wichtigsten Nahrungsquelle.

 

Das Projekt

Vedharajan Balaji engagiert sich seit längerem in sozialen Projekten in den Küstendörfern Tamil Nadus, beispielsweise für das "Marine Turtle Awareness Programme" in der Provinz Cuddalore oder durch wissenschaftliche Arbeiten für den WWF zum Handel mit tropischen Fischen.

 

Gemeinsam mit Dr. Onno Groß, DEEPWAVE e.V. aus Hamburg, haben Vedharajan Balaji und lokale Partner aus Tamil Nadu das Projekt MANGREEN - Mangrove Ecological Restoration in India - entwickelt, dass die Bevölkerung bei der Wiederaufforstung der Mangroven unterstützt.

 

Dabei setzt das Projekt sowohl auf die natürliche als auch ein künstliche Regeneration der degradierten Mangroven-Bereiche. Dort, wo noch naturnahe Bereiche als Reste der Mangroven-Wälder vorhanden sind, kann durch gezielte Maßnahmen die natürliche Ausbreitung gefördert werden. Die Zusammensetzung der sich ansiedelnden Mangrovenarten hängt hierbei von den natürlichen Gegebenheiten ab.

 

Dort, wo keine natürliche Wiederbesiedlung erfolgen kann, müssen die Jungpflanzen per Hand in der Gezeitenzone gepflanzt werden. Voraussetzung hierfür ist neben der Auswahl der geeigneten Arten auch die jahreszeitlich abgestimmte Sammlung und Anzucht der Stecklinge.

 

Die Planung

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Annamalai Universität durchgeführt.

 

 

 

 

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Berichte:

Mangreen 2009: Jahresbericht

Mangreen 2008: Jahresbericht

Mangreen Juni 2006

Mangreen Januar 2007

Mangreen Juli 2007

Mangreen Januar 2008

Mangreen Juni 2008

Mangreen Januar 2009

 

LF-Explorer

Mangrovenwälder - Lebenskünstler auf salzigem Grund

 

WWW:

OMCAR.ORG

MANGREEN bei Flickr.com

 

Tamil Nadu ist der südlichste Bundesstaat Indiens mit 1076 Kilometern Küste. Die Palkstraße trennt Tamil Nadu vom südöstlich gelegenen Inselstaat Sri Lanka.


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